Kooperation mit außerschulischen Lernorten

Kooperation mit außerschulischen Lernorten

Im Qualitätsbereich Kooperation geht es um die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und anderen pädagogischen Fachkräften. Ziel ist es, eine ganzheitliche Betreuung und Förderung der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, indem verschiedene Fachbereiche und pädagogische Ansätze miteinander verknüpft werden.

„Die Kooperation von Schulen mit außerschulischen Lernorten bietet vielfältige Möglichkeiten, das schulische Lernen zu bereichern und den Bildungsauftrag vor allem im Ganztag durch praxisorientierte Erfahrungen zu vertiefen.“

Definition

Außerschulische Lernorte sind Orte und Institutionen außerhalb des schulischen Umfelds, an denen Schülerinnen und Schüler neue Lern- und Erfahrungsräume betreten können. Diese Lernorte umfassen ein breites Spektrum und können sowohl traditionelle Bildungseinrichtungen wie Museen, Bibliotheken und Naturschutzzentren als auch weniger klassische Akteure wie Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Sportvereine, gemeinnützige Organisationen und städtische Einrichtungen sein. 

Auch Orte, die alltägliche oder ungewöhnliche Situationen und Kontexte darstellen, wie Parks, Stadtteile, Werkstätten oder Theater, zählen zu den außerschulischen Lernorten.

Hintergrund

Die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Lernorten wird durch den sukzessiven Ausbau des Ganztagsangebots im Rahmen des Rechtsanspruchs ab 1. August 2026 immer bedeutender, da sie eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung eines vielfältigen und praxisnahen Bildungsangebots spielt.

Im Zuge des Ganztagsausbaus stehen viele Schulen vor der Herausforderung, qualitativ hochwertige Bildungs- und Betreuungsangebote zu gestalten, häufig unter Bedingungen des Fachkräftemangels. Außerschulische Partner können hier wichtige Impulse setzen und dazu beitragen, den Ganztag als ganzheitlichen Lern- und Lebensraum weiterzuentwickeln. Sie erweitern das schulische Angebot um lebensweltnahe Erfahrungen, fördern Kompetenzen und unterstützen die individuelle Entwicklung von Schülerinnen und Schülern. 

Im Rahmen eines rhythmisierten Ganztags ermöglichen außerschulische Lernorte demnach die Verbindung von formalen und informellen Bildungsangeboten. Sie tragen dazu bei, den Tagesablauf abwechslungsreich zu gestalten und unterschiedliche Lern- und Lebensräume miteinander zu verknüpfen – ganz im Sinne eines erweiterten Bildungsverständnisses.

Vorteile

Außerschulische Lernorte bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, theoretisches Wissen aus dem Unterricht in einem realen, lebensnahen Kontext zu erfahren und anzuwenden. Sie schaffen ein authentisches Umfeld, das über die klassischen Schulräume hinausgeht und dazu beiträgt, das Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu vertiefen und die Motivation zum Lernen zu steigern. Solche Partnerschaften bereichern den Schulbetrieb, indem sie abwechslungsreiche und anwendungsorientierte Lernmöglichkeiten eröffnen.

Durch die Einbindung von außerschulischen Fachkräften können Schülerinnen und Schüler direkt vor Ort lernen und von praktischen Erfahrungen profitieren, die im Klassenzimmer nicht möglich wären. Dies stärkt nicht nur das Interesse und die Freude am Lernen, sondern fördert auch wichtige Kompetenzen wie Teamarbeit, Problemlösungsfähigkeiten und die Fähigkeit, mit realen Herausforderungen umzugehen. 

Gleichzeitig unterstützen außerschulische Lernorte eine ganzheitliche Entwicklung, da sie nicht nur kognitive, sondern auch emotionale und soziale Lernprozesse anregen. Sie ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, in einem vielfältigen Lernumfeld Selbstständigkeit zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Kooperationen tragen damit maßgeblich zur Persönlichkeitsentwicklung bei und erweitern die Bildungsangebote von Schulen im Ganztagsbereich, indem sie die schulische Praxis mit realen Lebenswelten verknüpfen und eine zukunftsorientierte, praxisnahe Lernkultur fördern.

Praxistipps

Im Folgenden werden Anregungen für die Kooperation mit außerschulischen Lernorten in Ganztagsschulen an die Hand gegeben:

  • Analyse des eigenen Lehrplans: Zunächst sollten Lehrkräfte prüfen, welche kognitiven, emotionalen und sozialen Lernprozesse aus ihrem Lehrplan durch den außerschulischen Lernort besser unterstützt werden können als im Klassenzimmer. Dies hilft dabei, die Lernziele klar zu definieren und zu entscheiden, welche Themenbereiche sich besonders für den Einsatz außerhalb der Schule eignen.
     
  • institutionelle Unterstützung und Ressourcen: Eine erfolgreiche Kooperation benötigt ausreichende Ressourcen – sei es in finanzieller, zeitlicher oder personeller Hinsicht – sowie die Unterstützung durch die Schulleitung und andere Entscheidungsträger. Diese Unterstützung stellt sicher, dass die Kooperation nicht nur beginnt, sondern auch nachhaltig fortgeführt werden kann.
     
  • Suche nach Partnern: Es ist wichtig, die passenden außerschulischen Bildungsakteure zu finden, die den Lernzielen der Schule entsprechen. Dabei sollte auch geprüft werden, wie geeignet die Konzepte für die angestrebten Lernziele sind. Die Wahl eines gut vernetzten Partners mit Erfahrung in der Bildungsarbeit kann den Erfolg der Kooperation maßgeblich fördern.
     
  • gemeinsame Planung: Die konkrete Planung der Lerninhalte und -ziele erfolgt idealerweise in enger Absprache mit dem außerschulischen Lernort. Wichtige Fragen hierbei sind: Was genau sollen die Schülerinnen und Schüler am Lernort lernen? Welche Kompetenzen sollen vermittelt werden und warum? Es sollte auch geklärt werden, ob das Verlassen des Klassenzimmers allein schon Motivation schafft oder ob zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, um das Interesse zu wecken. Darüber hinaus muss entschieden werden, ob die Inhalte selbstständig erarbeitet werden oder die Unterstützung durch Fachpersonen erforderlich ist. Die Nachbereitung der Erfahrungen sollte ebenfalls geplant werden, einschließlich der Frage, ob ergänzende Materialien oder Medien zur Vertiefung benötigt werden.
     
  • Kommunikation und Koordination: Die Qualität der Kommunikation und Koordination ist entscheidend für den Erfolg der Kooperation. Regelmäßige Treffen, offene und transparente Kommunikation sowie eine klare Aufgabenverteilung zwischen Schule und außerschulischem Lernort fördern das Verständnis und die Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass auf beiden Seiten feste Ansprechpersonen benannt werden, um die Prozesse zu erleichtern und eine reibungslose Abstimmung zu gewährleisten.
     
  • langfristige Planung und Kontinuität: Ganztagsschulen profitieren besonders von langfristigen Kooperationen, da sie über die nötigen zeitlichen Ressourcen und strukturellen Freiräume verfügen, um regemäßige Besuche und Projektzyklen mit außerschulischen Partnern zu realisieren. Die verbindliche Einbindung in das Ganztagskonzept schafft nachhaltige Lernangebote über das Schuljahr hinweg. Wenn Aktivitäten regelmäßig wiederholt werden, wächst die Bindung zwischen den beteiligten Personen und die Qualität der Zusammenarbeit kann sich weiter verbessern. Langfristige Partnerschaften ermöglichen es, auf gemachten Erfahrungen aufzubauen und die Kooperation kontinuierlich zu optimieren.
     
  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Es ist wichtig, flexibel auf Herausforderungen reagieren zu können. Beide Seiten müssen bereit sein, ihre Pläne und Methoden anzupassen, um auf unvorhergesehene Umstände oder geänderte Anforderungen zu reagieren. Eine hohe Anpassungsfähigkeit und Kompromissbereitschaft tragen wesentlich zur Stabilität und Nachhaltigkeit der Kooperation bei.
     
  • Evaluation und Feedback: Regelmäßige Evaluationen und Feedback-Schleifen tragen dazu bei, die Kooperation zu reflektieren und zu verbessern. Durch die systematische Auswertung von Erfahrungen und Ergebnissen können Anpassungen vorgenommen und die Qualität der Zusammenarbeit kontinuierlich gesteigert werden. Eine erfolgreiche Kooperation kann zu einer langfristigen Partnerschaft ausgebaut und institutionell verankert werden, um zukünftige Projekte zu erleichtern und zu optimieren.

Fazit

Kooperationen mit außerschulischen Lernorten benötigen Ressourcen, insbesondere wenn diese aufgebaut werden. Gewinnbringend eingesetzt, bieten sie Schulen die Chance, ihren Bildungsauftrag auf innovative Weise zu erweitern, denn durch praxisnahe Erfahrungen und direkte Begegnungen mit außerschulischen Fachkräften wird der Unterricht lebendiger und vielfältiger gestaltet. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stellt dabei einen zentralen Zugang dar, insbesondere mit Blick auf die Gestaltung der Schulverpflegung und gelebte Ernährungsbildung.

Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, ist es wichtig, die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten zu nutzen, um den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes und lebensnahes Bildungserlebnis zu ermöglichen. Im Ganztag bieten sich besondere Chancen, außerschulische Lernorte regelmäßig in das schulische Leben zu integrieren.

Die Verzahnung mit entsprechenden Angeboten schafft Raum für kreative Lernformate, fördert selbstorganisiertes Lernen und unterstützt die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler.

Fachliche Expertise

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Fachinformation

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Dr. Alexandra von Winning
Betriebs- und Volkswirtin, Geschäftsführerin der Lust auf besser Leben gGmbh

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